Grilliertes Schweinsfilet mit Chimichurri
Trocken gepökelt, rauchig gewürzt, in zwei Zonen auf 60°C grilliert und mit Butter übergossen, die Chimichurri am Tisch darübergelöffelt

Ergibt: 3 Portionen
Portion: ~140g Rohgewicht
Vorbereitung: 30m
Kochen: 15m
Ruhen: 4h 48m
Gesamt: 5h 33m
Zutaten
Filet und Trockenpökeln (4 Stunden bis einen Tag vorher)
- 425 g Schweinsfilet, Silberhaut vollständig entfernt; von einer alten Rasse oder aus guter Haltung, wenn der Metzger es hat
- 5 g feines Salz, etwa 1 gestrichener TL, rund 1% des Fleischgewichts
Gewürzöl
- 30 ml Olivenöl, ein mittleres Öl genügt; die gute Flasche ist für die Chimichurri
- 3 Zehen Knoblauch, zu einer Paste gerieben
- 1 TL gemahlener Kreuzkümmel, am besten ganze Samen, frisch geröstet und gemahlen
- 1 TL geräucherter Pimentón de la Vera, echter spanischer, kein beliebiges Rauchpaprikapulver
- 1 TL getrockneter Oregano
- ½ TL schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
Kräuter-Knoblauch-Butter zum Übergiessen
- 30 g Butter, gute Butter, wenn möglich Sauerrahmbutter; Alpenbutter ist hier die Schweizer Zutat, die sich lohnt
- 1 Zehe Knoblauch, angedrückt, nicht gerieben — geriebener Knoblauch verbrennt in heisser Butter
- 1 TL frischer Oregano oder Thymian, gehackt; Oregano schlägt die Brücke zur Chimichurri
Zum Servieren
- 120 ml Chimichurri, am Vortag oder am Morgen zubereitet, bei Raumtemperatur — siehe Chimichurri-Rezept
Laktosefreie Alternative
- 30 g laktosefreie Butter, anstelle der Butter — bräunt etwas schneller, darum bei mittlerer Hitze übergiessen(optional)
Zubereitung
Parieren und trocken pökeln (4 Stunden bis einen Tag vorher)
- 1
Die Silberhaut vollständig entfernen: eine dünne Klinge darunterschieben, die Schneide leicht nach oben anwinkeln, die Haut straff ziehen und in Streifen abschneiden. Die 425 g Schweinsfilet trocken tupfen.
5mSilberhaut schmilzt nie. Bleibt sie dran, zieht sie sich in der Hitze zusammen, das Filet biegt sich auf dem Rost und gart ungleichmässig.
- 2
Die ganze Oberfläche gleichmässig mit den 5 g feinem Salz würzen. Das Filet auf ein Gitter über einem Teller legen und unbedeckt mindestens 4 Stunden, idealerweise über Nacht, höchstens 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.
4hGitterSalz ist das einzige Würzmittel, das ins Innere eines Stücks gelangt; Marinaden kommen kaum über 3mm hinaus. Mit Stunden Zeit löst sich das Salz, wird wieder aufgenommen und löst das Myosin teilweise an, sodass der Muskel sein Wasser in der Hitze hält — genau der Spielraum, den ein mageres Stück dringend braucht. Unbedeckt ist die zweite Hälfte des Prinzips: Die Oberfläche trocknet, bräunt schneller und nimmt mehr Rauch an.
Magere Stücke trocken pökelnTipp: Nie 10–15 Minuten vor dem Garen salzen: Das Salz hat dann Feuchtigkeit an die Oberfläche gezogen, aber noch nicht wieder aufgenommen, und man brät eine nasse Aussenseite an. Lange vorher oder unmittelbar davor salzen, nie dazwischen. Nicht abspülen.
Mise en place
- 3
Das Gewürzöl mischen: 30 ml Olivenöl, 3 Zehen Knoblauch, gerieben, 1 TL Kreuzkümmel, 1 TL geräucherten Pimentón, 1 TL getrockneten Oregano und ½ TL schwarzen Pfeffer. Bei Raumtemperatur bereithalten.
3mKein Essig und kein zusätzliches Salz. Die Chimichurri bringt Säure, Knoblauch und Oregano bereits mit, also wird die Würze des Fleisches um Wärme und Rauch gebaut, als Kontrast statt als Echo der Sauce. Eine kurze Essigmarinade schadet einem mageren Filet sogar: Eine kontrollierte Studie an Schweinsfilet fand nach 2 Stunden Marinieren mehr Härte und Zähigkeit als bei unbehandeltem Fleisch; zarter wurde es erst nach etwa 12 Stunden.
- 4
Die 30 g Butter (oder 30 g laktosefreie Butter), 1 Zehe Knoblauch, angedrückt, und 1 TL gehackten Oregano oder Thymian in einem kleinen Gusseisenpfännchen oder einer Alu-Schale bereitstellen und bis zum Übergiessen kalt halten. Die Chimichurri aus dem Kühlschrank nehmen, damit sie beim Servieren Raumtemperatur hat.
2mTipp: Laktosefreie Butter bräunt etwas schneller, weil die Laktase einen Teil des Milchzuckers bereits in Glukose gespalten hat, die früher karamellisiert. Beim Übergiessen mittlere Hitze halten und vom Feuer nehmen, sobald es nussig riecht.
- 5
Etwa 40 Minuten vor dem Grillieren das Filet aus dem Kühlschrank nehmen und rundum mit dem Gewürzöl einstreichen. Nicht nochmals salzen.
40mTipp: Zwei Dinge auf einmal: Das Filet nähert sich der Raumtemperatur und gart gleichmässiger, und die Ölpaste legt eine Aromaschicht auf eine Oberfläche, die vom Pökeln bereits trocken und gewürzt ist.
Feuer vorbereiten
- 6
Zwei Zonen einrichten: eine Seite so heiss, dass man die Hand nicht länger als ein bis zwei Sekunden darüber halten kann, die andere kühl, bei geschlossenem Deckel 150–160°C. Bei Holzkohle die Glut auf eine Seite schieben; beim Gasgrill alle Brenner bis auf einen oder zwei an.
15mGrill mit DeckelEinstichthermometerBei einem mageren Stück entscheidet das alles. Filet hat keinen Fettpuffer und läuft spitz zu: Auf einer einzigen heissen Zone schiesst die Mitte über, bevor die Kruste steht, und das dünne Ende ist trocken, bis die Mitte gar ist. Die heisse Seite macht die Kruste, die kühle bringt die Mitte sanft hoch.
Grillieren in zwei Zonen und Nachgaren kontrollieren
Grillieren
- 7
Das Filet über direkter Hitze anbraten und alle 1–2 Minuten wenden, bis jede Seite Farbe hat, insgesamt 6–8 Minuten. Schlagen Flammen hoch, kurz auf die kühle Seite schieben, bis sie sich legen.
8mhoch, direktHäufiges Wenden ist keine Pedanterie. Es gibt gleichmässige Bräunung, und Pimentón und Knoblauch im Öl verbrennen und werden bitter, wenn eine Seite zu lange liegt.
Grillieren in zwei Zonen und Nachgaren kontrollieren - 8
Das Filet in die kühle Zone legen und den Deckel schliessen. Früh und oft an der dicksten Stelle messen; das Ziel sind 60°C.
5m150–160°C, indirekt, Deckel zuImmer die dicke Mitte messen, nie das spitze Ende. Das dünne Ende ist immer einige Grad voraus und zeigt gar an, während die Mitte noch zu wenig hat. Deckel zu ist wichtig: Die kühle Zone braucht die Umluft, um die Mitte gleichmässig hochzubringen.
Grillieren in zwei Zonen und Nachgaren kontrollieren - 9
Wenn die Mitte etwa 57°C erreicht, das Pfännchen mit den 30 g Butter, angedrücktem Knoblauch und Kräutern in die kühle Zone stellen. Sobald die Butter schäumt, das Pfännchen kippen, damit sich die Butter sammelt, und sie 30–60 Sekunden ununterbrochen über das Fleisch löffeln, das Filet dabei einmal wenden.
1mmittelkleines Gusseisenpfännchen oder Alu-Schalegrosser LöffelNussbraun, nicht schwarz. Butter hat einen niedrigen Rauchpunkt, und die Milchfeststoffe gehen in Sekunden von nussig zu bitter. Das Pfännchen von den Flammen fernhalten und herausnehmen, sobald es nussig riecht.
Mit Butter übergiessen (Arroser)Tipp: Schweinsfilet ist magerer als Pouletbrust ohne Haut. Gegen eine betont frische, rohe Sauce verhindert dieses Übergiessen, dass der Teller dünn schmeckt: Es liefert das Fett, das dem Stück fehlt, festigt und lackiert die Kruste und bringt die Tiefe von gebräunter Butter.
- 10
Das Filet bei 60°C an der dicksten Stelle vom Grill nehmen.
1mBewusst unter dem Sicherheitswert herausnehmen. Der USDA-Mindestwert für ganze Schweinestücke liegt bei 63°C mit 3 Minuten Ruhezeit; ein dünnes Filet steigt beim Ruhen um etwa 3°C, also landet es von 60°C sicher bei 63°C, mit leicht rosa, saftiger Mitte. Auf dem Rost auf 63°C gegart, schiesst es darüber hinaus und wird trocken. Übergaren ist der häufigste Fehler, und keine Sauce rettet ihn.
Grillieren in zwei Zonen und Nachgaren kontrollieren
Ruhen lassen und servieren
- 11
Locker mit Alufolie abdecken und 6–8 Minuten ruhen lassen. Den karamellisierten Knoblauch und die Kräuter aus dem Pfännchen darübergeben.
8mBei einem mageren Stück nicht verhandelbar. Zu früh angeschnitten landet der geschützte Saft auf dem Brett, und das Nachgaren von 60°C auf 63°C wird nicht fertig.
Grillieren in zwei Zonen und Nachgaren kontrollieren - 12
Quer zur Faser leicht schräg in 1.5–2cm dicke Medaillons schneiden. Auslegen und am Tisch etwa 120 ml Chimichurri darüberlöffeln. Den Rest in einer Schale dazu reichen.
2mLöffeln, nicht vermengen. Mit warmem Fleisch vermengt welken die Kräuter und die Sauce wird flach; am Schluss darübergelöffelt bleiben roher Knoblauch und Kräuter frisch gegen Rauch und gebräunte Butter.
Allergene
Ernährung
Lagerung & Haltbarkeit
gekühlt
Temperatur: 0-4°C
Haltbarkeit: 2 Tage
Einfrieren: Nicht empfohlen
Am besten kalt, dünn aufgeschnitten, mit Chimichurri darüber. Wer es warm will, gibt die Scheiben ein paar Sekunden pro Seite in eine heisse Pfanne mit wenig Öl, mehr nicht. Nicht die Regenerierfunktion des Ofens verwenden: Anhaltende sanfte Hitze treibt ein mageres Filet über 63°C und trocknet es aus.
Anrichten
Medaillons fächerförmig auf einem warmen Brett oder einer Platte, die leicht rosa Mitte sichtbar, an jedem Rand eine lackierte Kruste, und die Chimichurri erst am Tisch darübergelöffelt statt in der Küche.
Garnitur: Karamellisierter Knoblauch und Kräuter aus dem Butterpfännchen
Servieren in: Warmes Holzbrett oder Platte, Chimichurri in einer kleinen Schale daneben
Temperatur: Heiss, direkt nach dem Ruhen
Verwendete Techniken
Die Geschichte hinter diesem Gericht
“Am Anfang standen 425g Schweinsfilet, ein Grill und eine fertige Chimichurri. Der erste Reflex ist der, dem die meisten Rezepte folgen: das Fleisch in der Sauce selbst marinieren oder in etwas ähnlich Essiglastigem. Die Recherche wies in die andere Richtung. Die Chimichurri bringt Säure, Knoblauch und Oregano schon mit, also soll das, was aufs Fleisch kommt, leisten, was die Sauce nicht kann: Salz tief hineinbringen für die Saftigkeit und eine dunkle, rauchige, gebräunte Aussenseite als Kontrast zur frischen rohen Sauce aufbauen. Damit werden Salz und Säure auf zwei Aufgaben verteilt. Das Salz kommt früh und trocken; die Säure bleibt ganz aus dem Fleisch und kommt erst am Tisch. Der erste Entwurf dieses Rezepts hatte noch einen Esslöffel Essig in der Marinade und salzte erst 40 Minuten vorher; beides wurde gekippt. Chimichurri ist traditionell eine Asado-Sauce für Rindfleisch, und sie mit einer Kreuzkümmel-Pimentón-Würze auf Schwein zu setzen, ist eine Adaption, kein argentinischer Kanon. Genau deshalb zählen Butterübergiessen und Garpunktkontrolle hier mehr als bei einem fetten Asado-Stück.”
Weinempfehlung: Ein Malbec aus Mendoza oder eine spanische Garnacha: genug Frucht für Rauch und Pimentón, genug Säure für die Chimichurri.
Haftungsausschluss: Die in diesem Rezept enthaltenen Informationen, einschliesslich Zubereitungsmethoden, Lagerrichtlinien und Haltbarkeitsempfehlungen, dienen nur der allgemeinen Orientierung. Wir übernehmen keine Verantwortung für lebensmittelbedingte Erkrankungen oder nachteilige Auswirkungen, die sich aus der Zubereitung, Handhabung, Lagerung oder dem Verzehr von Speisen ergeben, die nach diesem Rezept zubereitet wurden. Befolgen Sie stets sichere Lebensmittelhygienepraktiken und konsultieren Sie offizielle Lebensmittelsicherheitsrichtlinien.
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