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Alexandre Bally

Fladenbrot bei grosser Hitze

Blasen und Röststellen wie aus dem Tandoor in der Haushaltsküche: eine trockene Pfanne, viel länger vorgeheizt als nötig scheint, eine nasse Unterseite, die am Metall haftet, und der Grill für die Oberseite

Mittel·5 Min. Lesezeit
BrotFladenbrotgrosse HitzeGusseisenGrill

Was es ist

Ein Tandoor ist ein Lehmzylinder mit einem Holzkohlefeuer im Boden, und seine Wand erreicht bis zu 480°C. Teig, der an diese Wand geklatscht wird, backt in neunzig Sekunden bis zwei Minuten. Alles, was Naan ausmacht, folgt aus dieser Temperatur: die grossen, unregelmässigen Blasen, die verkohlten Stellen, das zähe Innere, das keine Zeit zum Austrocknen hatte.

Ein Gas- oder Induktionsherd unter einer Pfanne erreicht an der Kochfläche vielleicht 200 bis 250°C. Das ist ungefähr ein halber Tandoor, und die Folgen sind direkt: Der Teig trocknet aus, bevor er Blasen wirft, das Innere wird langsam fest, und heraus kommt etwas Blasses, Flaches und Zähes.

Die Technik schliesst die Lücke mit drei Schritten. Viel länger vorheizen, als nötig scheint, und trocken backen. Mit Wasser dafür sorgen, dass der Teig am Metall klebt wie an einer Lehmwand. Und für die Oberseite eine zweite Strahlungshitze nutzen, denn eine Pfanne backt immer nur eine Seite.

Warum es wichtig ist

Blasen sind Struktur, nicht Dekoration. Jede Blase ist eine Tasche, in der Dampf den Teig auseinandergedrückt hat, und die dünne Haut darüber bräunt und wird knusprig, wie es die flache Oberfläche nie kann. Ein Naan mit grossen Blasen hat in jedem Bissen drei Texturen: knusprige Haut, zäher Körper, weiches Inneres. Ein flaches hat eine.

Röststellen sind Geschmack. Die dunklen Flecken bringen echte Bitterkeit und geröstete Pyrazin-Aromen, und genau deshalb schmeckt Tandoorbrot nach mehr als gebackenem Mehl. Ohne sie ist Naan ein ziemlich langweiliges, angereichertes Fladenbrot.

Tempo schützt die Feuchtigkeit. Ein Brot, das in zwei Minuten backt, behält Wasser, das ein Brot in sechs Minuten verliert. Das ist der Unterschied zwischen geschmeidig und ledrig.

So geht's

Richtig vorheizen. Gusseisen, trocken, höchste Stufe, mindestens zehn Minuten. Nicht fünf. Gusseisen hat eine grosse Wärmekapazität und leitet langsam, es braucht also Zeit, bis es gleichmässig heiss ist. Mit einem Wassertropfen prüfen: Er soll über die Oberfläche tanzen und verschwinden, nicht liegen bleiben und zischen. Zischen heisst Siedetemperatur, und das ist viel zu kühl. Gleichzeitig den Backofengrill auf Maximum stellen, Rost weit oben.

Trocken backen, nicht geölt. Öl in der Pfanne frittiert die Unterseite und verhindert, dass der Teig am Metall haftet. Haften ist genau das, was man will.

Den ausgewallten Teig zuerst ruhen lassen. Zehn Minuten unter einem Tuch zwischen Auswallen und Backen. Auswallen entgast den Teig und spannt das Gluten; die Ruhe lässt beides teilweise erholen und entscheidet zwischen grossen, unregelmässigen Blasen und einer flachen Oberfläche. Bewusst ungleichmässig auswallen, in der Mitte dicker, am Rand dünner, für knusprige und zähe Stellen im selben Brot.

Der Wassertrick. Die Unterseite unmittelbar vor dem Backen mit Wasser bestreichen und mit der nassen Seite nach unten einlegen. So haftet der Teig wie an einer Tandoorwand: Die Ränder rollen sich nicht auf, und der sich ausdehnende Dampf wird nach oben in den Teig gedrückt statt seitlich hinaus.

45 bis 60 Sekunden in der Pfanne. Innerhalb von dreissig Sekunden sollten über die ganze Oberfläche Blasen aufsteigen. Die Unterseite braucht dunkle, richtig verkohlte Stellen, keine gleichmässige Bräune.

Die Oberseite mit Strahlungshitze fertigstellen. Das Brot mit der gebackenen Seite nach unten auf ein Blech legen und 30 bis 45 Sekunden unter den Grill auf Maximum, bis die Oberseite Blasen wirft und fleckig bräunt. Auf Gas kann man stattdessen die Pfanne etwa 20 Sekunden umgedreht direkt über die Flamme halten, der traditionelle Tawa-Trick.

Heiss bestreichen. Fett auf einem Fladenbrot direkt aus der Hitze zieht ein. Auf einem abgekühlten liegt es obenauf und wirkt fettig.

In einem Tuch stapeln. Der Dampf zwischen den gestapelten Broten hält sie geschmeidig. Abgedeckt bei 60°C halten sie etwa dreissig Minuten; danach werden sie zäh.

Kleine, gefüllte Brote kürzer. Ein Mini-Naan aus etwa 25g Teig mit Käsefüllung braucht rund 40 Sekunden in der Pfanne und 25 unter dem Grill.

Zum Material

Ein Pizzastahl ist der Pfanne überlegen. Zwanzig Minuten unter dem Grill auf Maximum bringen einen Stahl auf 300°C oder mehr, und das Brot backt direkt darauf, ohne Wenden und ohne Umsetzen, etwa neunzig Sekunden pro Stück. Zwei oder drei gleichzeitig sind möglich, und das zählt, wenn zehn oder mehr zu backen sind und die Gäste im Raum stehen: Ab etwa zwölf Broten ist die Pfanne der Engpass, nicht der Teig. Ein Pizzastein geht auch, heizt aber langsamer auf und speichert weniger.

Häufige Fehler

Zu kurz vorheizen. Mit grossem Abstand der häufigste Fehler. Eine Pfanne, die sich für die darübergehaltene Hand heiss anfühlt, ist nicht heiss genug. Wird das erste Brot blass, ist die Antwort nicht, das zweite länger zu backen, sondern fünf Minuten länger zu warten.

Länger backen, um zu wenig Hitze auszugleichen. Genau verkehrt. Mehr Zeit bei niedriger Temperatur trocknet das Brot aus: blass und zäh statt blass und weich.

Die Pfanne ölen. Frittiert den Boden, verhindert das Haften und verbrennt.

Den Grill weglassen. Die Oberseite eines Pfannenbrots bekommt nie Strahlungshitze und wirft deshalb nie richtig Blasen. Unten verkohlt und oben blass heisst: Nur die Hälfte der Technik wurde angewendet. Ein Grillproblem, kein Teigproblem.

Gleichmässig dick auswallen. Gleichmässige Dicke ergibt ein gleichmässiges, langweiliges Brot. Die Ungleichmässigkeit ist der Sinn der Sache.

Nach dem Auswallen nicht ruhen lassen. Flache Oberfläche, wenige Blasen.

Kalten Teig auswallen. Er reisst und zieht sich zurück. Erst auf Zimmertemperatur kommen lassen; die Lösung ist Zeit, nicht Mehl.

Woran man erkennt, dass es gelungen ist

In der Pfanne. Innerhalb von zwanzig bis dreissig Sekunden heben sich Blasen über die ganze Oberfläche, nicht nur an einem Rand. Passiert eine Minute lang nichts, ist die Pfanne zu kühl.

Die Unterseite. Gefleckt: hellgolden mit deutlichen dunkelbraunen bis schwarzen Stellen. Eine gleichmässige Farbe überall bedeutet niedrige, langsame Hitze.

Die Oberseite nach dem Grill. Erhabene Blasen, an den Spitzen gebräunt, die Täler dazwischen noch hell. Dieser Kontrast ist das sichtbare Markenzeichen.

Der Biegetest. Das fertige Brot lässt sich in der Mitte falten, ohne zu brechen, und reisst statt zu splittern. Bricht es entlang der Faltlinie, ist es ausgetrocknet.

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